Erste Hilfe lernen, Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft erleben: Das Jugendrotkreuz (JRK) ist für viele junge Menschen der erste Schritt ins Ehrenamt. Dana Krause aus der Landesleitung des Jugendrotkreuzes in Mecklenburg-Vorpommern erzählt, wie ihr eigener Weg begann, wo das JRK heute steht – und warum sie optimistisch in die Zukunft blickt.
„Ich habe mich sofort aufgenommen gefühlt“
Dana, erinnerst du dich an deinen ersten echten JRK-Moment? Vielleicht eine Gruppenstunde, ein Zeltlager im Regen oder der Schulsanitätsdienst – was hat bei dir gezündet? Warum bist du geblieben?
Es gab mehrere Momente, aber der erste, der wirklich mit dem Jugendrotkreuz zu tun hatte, war eine Gruppenstunde. Ein Kumpel aus dem Schulsanitätsdienst fragte mich damals, ob ich mitkommen möchte. Die Gruppenleiter suchten jemanden für ihre Fallbeispiele – jemanden, den die Kinder nicht kennen, damit es nicht nur Gelächter wird, sondern sie wirklich helfen müssen.
Also bin ich mitgegangen. Und ich habe mich sofort aufgenommen gefühlt. Es hat mir direkt Spaß gemacht. Deshalb blieb es nicht bei diesem einen Besuch. Ich kam immer wieder, wurde stärker eingebunden und habe die Kinder und Jugendlichen schnell ins Herz geschlossen.
Ich war damals selbst erst zwölf oder dreizehn. Ich bin also quasi direkt in diese Gruppe hineingewachsen – und geblieben, weil es einfach Freude gemacht hat.
„Erste Hilfe ist unser zentrales Thema“
Wenn du das Jugendrotkreuz in Mecklenburg-Vorpommern wie eine große Landkarte mit vielen roten Punkten siehst – was ist eure gemeinsame Aufgabe? Was sollen junge Menschen bei euch lernen oder erleben?
Unser zentrales Thema ist Erste Hilfe. Also die Frage: Wie helfe ich Menschen? Wie kann ich reagieren, wenn es jemandem nicht gut geht? Aber es geht um mehr. Es geht auch um Teilhabe – darum, sich auszuprobieren und herauszufinden: Was kann ich? Wo möchte ich mich engagieren?
Dazu kommen unsere Kampagnen. Aktuell läuft bundesweit die Kampagne „Lautstark“, die sich mit Jugendbeteiligung und Kinderrechten beschäftigt. In der Vergangenheit ging es auch um Themen wie Umweltschutz.
Und natürlich geht es um Gemeinschaft. Um diesen besonderen JRK-Spirit. Den spürt man allerdings erst richtig, wenn man selbst mittendrin ist.
Ein wichtiger Punkt ist auch: Die Gruppen können ihre Themen selbst gestalten. Es ist nicht vorgeschrieben, nur Erste Hilfe zu machen. Wenn sich eine Gruppe zum Beispiel dafür interessiert, wie sich der Wald im Sommer und Winter verändert, dann kann auch das Thema werden.
Das Jugendrotkreuz lebt davon, dass Kinder und Jugendliche Initiative ergreifen und ihr JRK-Leben selbst gestalten.
„Unsere Landkarte hat noch viele weiße Flecken“
Wenn du auf diese Landkarte schaust – wo bröckelt gerade der Asphalt?
Unser größtes Problem ist der Mangel an Gruppenleitungen.
Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland, und viele junge Menschen kommen nur für ihr Studium hierher. Sie engagieren sich bei uns, sind gerade angekommen – und ziehen nach drei, vier oder fünf Jahren wieder weg.
Das Gleiche passiert mit Jugendlichen aus dem Schulsanitätsdienst: Sie verlassen die Schule, beginnen Ausbildung oder Studium und gehen häufig ebenfalls weg. Dadurch verlieren wir engagierte Gruppenleiter. Und das führt dazu, dass Angebote fehlen. Unsere Landkarte hat deshalb noch viele weiße Flecken.
Hinzu kam ein deutlicher Einbruch während der Corona-Zeit – sowohl bei Ehrenamtlichen als auch bei Kindern und Jugendlichen.
Aber es gibt auch eine positive Entwicklung: Wir merken, dass die Zahlen wieder steigen. Unser letzter Gruppenleiter-Grundlehrgang, über den man die Jugendleiterkarte erwerben kann, war komplett ausgebucht – mit Warteliste. Das zeigt, dass es wieder aufwärts geht.
Ein weiteres Thema ist Mobilität. Der öffentliche Nahverkehr ist für Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum oft schwierig. Viele Kreisverbände helfen deshalb mit Fahrzeugen, damit junge Menschen zu Veranstaltungen kommen können.
„Zusammenarbeit ist unser größter Hebel“
Ihr steht mitten in einem Umbruch: große Flächen, wenig Zeit, viele Themen. Wenn du alles andere ausblendest – wo liegt der wichtigste Hebel für Veränderung?
Für uns als Team ist ganz klar: Wir bleiben motiviert. Wir lassen uns nicht entmutigen, nur weil es aktuell zu wenig Gruppenleitungen gibt. Ein großer Hebel ist die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften im Roten Kreuz. Die Bereitschaften beginnen zum Beispiel, eigene JRK-Gruppen aufzubauen. In der Wasserwacht gibt es das schon lange. Auch in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit entstehen neue Möglichkeiten. Selbst die Medical Task Force denkt darüber nach, Jugendrotkreuzgruppen aufzubauen.
Wir haben uns deshalb zusammengesetzt und überlegt, wie wir enger zusammenarbeiten können. Ziel ist es, Synergien zu schaffen und gemeinsam die JRK-Landkarte wieder stärker zu füllen.
Kinder und Jugendliche aus den verschiedenen Gemeinschaften können dann auch an unseren Veranstaltungen teilnehmen – an Ausbildungen, Ferienlagern, Gruppenleiterlehrgängen oder Wettbewerben.
Wir hoffen sehr, dass diese Zusammenarbeit ein guter Startschuss wird – für das Jugendrotkreuz und für die Jugendarbeit im Roten Kreuz insgesamt.
Das Interview führte Antje Habermann
